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05.09.2010 - 02:07 Uhr
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Literatur zu den Themen Pflegezeit und Personalbedarf

Dateien zum Thema Pflegezeitermittlung und Personalbedarf in der Pflege

Kurzdarstellung der Verfahren PLAISIR© und RAI®

Derzeit kommen zwei in der Zielsetzung sehr unterschiedliche international eingesetzte Verfahren zur Personalbedarfsermittlung in Deutschland in Betracht.
Dies ist das Verfahren PLAISIR© (PLAnification Informatisée des Soins Infirmers Requis en milieux des soins prolongés = Informationsgestützte Planung der erforderlichen Pflege) und das RAI® (Resident Assess-ment Instrument).

Obwohl ein direkter Vergleich beider Instrument eigentlich kaum sinnvoll ist, soll dies nachfolgend in sehr knapper Form versucht werden.

Beschreibung des RAI®

Das RAI® ist ein Assessmentinstrument, dass vor allem in der Geriatrie und auch in der vollstationären Pfle-ge eingesetzt wird. Es besteht aus drei inhaltlichen Hauptteilen, bei denen die erforderlichen Daten regelmäßig mit Hilfe von Formblättern manuell oder mittels einer Software erhoben werden.
Das RAI dient vorrangig der ausführlichen Erfassung des IST-Zustandes des Bewohners. Dies erfolgt mit Hilfe des MDS (Minimum Data Set). Die hierüber gewonnenen Daten bilden eine gute Grundlage für eine detaillierte und umfassende Planung der Pflege, obwohl auch das RAI die Erstellung von Pflegeplänen2)  nicht ersetzt, da zwar Probleme und Ressourcen des Bewohners erfaßt, aber keine Pflegeziele und Maßnahmen formuliert werden.
Den zweiten Hauptteil des Systems bilden die Abklärungshilfen, die sogenannten Resident Assessment Pro-tocolls (RAPs). Mit ihrer Hilfe können Risiken / Risikobereiche erkannt werden, „die häufig bei stationären Langzeitpatienten auftreten und einer besonderen pflegerischen Aufmerksamkeit bedürfen“1).
Da das RAI also nicht auf die quantitative Personalbedarfsermittlung bzw. Kostengewichtung ausgerichtet ist, wurden sogenannten Ressource Utilization Groups (RUGs) mit den MDS-Merkmalen der Bewohner gekoppelt. So werden die Bewohner auf der Basis ausgewählter Merkmale des MDS den derzeit 44 Kategorien (den RUG´s) mit unterschiedlichen „Ressourcenverbrauch“ zugeordnet. Der Ressourcenverbrauch je Gruppe wurde im Rahmen einer empirischen Ist-Erhebung ermittelt und gilt somit für alle Bewohner mit gleichen Merkmalen. Diese Gruppen werden mittels relativer Gewichtungsfaktoren miteinander in Bezie-hung gesetzt. Eine differenzierte Erfassung der Leistungen bei einem einzelnen Bewohner ist bei diesem System nicht erforderlich, denn der Bedarf wird über die empirische Vergleichsgruppe dem einzelnen Be-wohner zugeordnet. Eine Beteiligung des Bewohners ist nicht erforderlich.
Wesentlicher Vorteil des RAI®: Detaillierte Zustandsbeschreibung von Bewohnern
Wesentlicher Nachteil des RAI®: Hohe Anforderung and die Qualifikation der Mitarbeiter; keine Aussagen zum Kostenaufwand bzw. Personalbedarf
Wesentlicher Vorteil des MDS des RAI® in Kombination mit den RUG´s: Die Daten des MDS des RAI werden genutzt, um über statistisch ermittelte Vergleichsgruppen Annahmen zum vermuteten Bedarf des Bewohners zu treffen; einfache und schnelle Zuordnung  von Ressourcen und Kosten
Wesentlicher Nachteil des RAI® in Kombination mit den RUG´s: Keine direkte Beteiligung des Bewohners bei der Leistungszuordnung; die Grundlagen des zugestandenen Bedarfs sind Ist-Messungen bei einer Vergleichgruppe, also die bisher gegebene und nicht die erforderliche Pflege, die einzelne Einrichtung wird nicht berücksichtigt, der fachliche Aufwand für die qualifizierte Nutzung des RAI ist sehr hoch, für die RUG´s ist nur ein reduzierter MDS notwendig. Die Angaben die zur Einstufung in die RUG´s führen werden nicht systematisch und zentral geprüft.

Beschreibung des PLAISIR©

Das PLAISIR©  ist ein dreidimensionales Verfahren zur Ermittlung der erforderlichen Pflegezeit- und des Personalbedarfs in der vollstationären Pflege.
Die erste Dimension beinhaltet die Erfassung wesentlicher Merkmale des IST-Zustandes des Bewohners (sogenanntes bio-psycho-soziales Profil, vergleichbar dem MDS).
In der zweiten Dimension werden die für den Bewohner erforderlichen Pflege- und Betreuungsleistungen für einen Zeitraum von sieben Tagen erfasst. Hierbei wird sehr gezielt nach Art der Leistung und Form der erforderlichen Hilfe und Unterstützung unterschieden. Ebenfalls wird der Zeitpunkt bzw. Häufigkeit der Leis-tungserbringung im Tages- und Wochenverlauf und die Anzahl der benötigten Pflegekräfte bzw. die Not-wendigkeit der ständigen Anwesenheit des Personals während der Pflegeleistung abgefragt. Somit liefert PLAISIR nicht nur eine umfassende Beschreibung des Bewohners, sondern auch einen mit ihm (sofern er dazu in der Lage ist) abgestimmten Pflegeleistungsplan. Dieser beschreibt für einen Zeitraum von 7 Tagen alle erforderlichen Leistungen und kann die vorhandenen Pflegepläne unterstützen. Auch kann eine Abgleich zwischen der tatsächlich gegebenen Pflege und der erforderlichen Pflege vorgenommen werden. PLAISIR unterstützt aber ersetzt die Erstellung von Pflegeplänen nicht. In der dritten Dimension werden mit den einrichtungsspezifischen Produktionsfaktoren die Pflegeleistungen in Personal für die verschiedenen Leistungs-bereiche umgerechnet, beispielsweise Grund- und Behandlungspflege oder auch gerontopsychiatrische Betreuungsleistungen. Aus den individuellen Ergebnisse werden die Daten für die gesamte Einrichtung errechnet, die dann die Basis für Vergleiche auf verschiedensten Ebenen darstellen.
Die Zustandsbeschreibung der Bewohner ist nicht so umfassend wie im RAI®, da PLAISIR©  diese Informa-tionen in erster Linie zur Beurteilung der Erforderlichkeit der Leistungen benötigt. Die Anamnese und die Daten zu den erforderlichen Leistungen werden mit Hilfe eines standardisierten Bogens, dem sogenannten FRAN (Formulaire de relevé des actions en nursing) von Mitarbeiterinnen der Einrichtungen erhoben. Die Einrichtungen benötigen hierzu weder Hard- noch Software da die Formulare in der Folge in einem Daten-verarbeitungszentrum eingegeben und pflegefachlich in einem dreistufigen Prüfverfahren, dem Desk-Review, überprüft werden. Die Kontrolle der manuell erhobenen Daten ist EDV-gestützt und erst nach erfolgreicher Prüfung wird der Pflegezeitbedarf, mittels hinterlegter Zeitwerte im System, ermittelt. Welche Leistungen, welcher Bewohner erhalten sollte ist allerdings nicht der einzelnen Pflegekraft überlassen. Vielmehr regeln, von den Vertragsparteien vereinbarte Richtlinien, die Zuordnung und die Menge der als erfor-derlich angesehenen Pflegeleistungen. Nur in hinreichend begründeten Fällen werden im Desk-Review Pro-zess Abweichungen nach oben und nach unten akzeptiert. Durch die sehr differenzierte Erfassung auf den verschiedenen Ebenen werden Vergleiche und Auswertungen zum Zustand der Bewohner, zum Leistungsgeschehen, zur Organisation der Stationen und Daten für die Qualitätssicherung bereitgestellt.
Wesentliche Vorteile des PLAISIR©: Ermittlung des erforderlichen Pflegezeit-/ Personalbedarfs auf der Grundlage der individuellen Pflegeleistungen, der Bewohner wird nicht einer globalen Kategorie zugeordnet sondern PLAISIR misst den Bedarf an Zeit und bestimmt die zu erbringenden Leistungen. Die Grundlagen für die Personalbemessung sind eindeutig und auch für den Bewohner transparent definiert und die Bewohner werden beteiligt und haben Einfluss; die Zuverlässigkeit der Daten wird garantiert durch eine zentrale Überprüfung der erhobenen Daten durch speziell geschulte Fachkräfte (sogenanntes Desk-Review);
Wesentlicher Nachteil des PLAISIR©: Die Richtlinien zur Beurteilung der erforderlichen Leistungen in einem Heim müssen für Deutschland verbindlich festgelegt werden. Es gibt zu wenig nationale „Standards“ um auf diese zurückgreifen zu können und erfahrungsgemäß ist dies ein schwieriger Prozess. Die bisherigen Standards sind aber gut anwendbar (evident) und köönen zunehmend aktualisiert werden.
Die Umstellung von der gegebenen auf die erforderliche Pflege kann bei der Einführung des Verfahrens insgesamt zu einer nicht unerheblichen Anpassung des Personals in den Einrichtungen führen. In den Folgejahren ist allerdings ein Zuwachs nur bei nachgewiesenem Mehrbedarf möglich.
Die Infrastruktur für eine flächendeckende Anwendung muss noch entwickelt werden.

1) Katholischer Krankenhausverband Deutschlands e.V. (Hrsg.): Pflegequalität und Pflegeleistungen I. Zwischenbe-richt zur ersten Phase des Projektes „Entwicklung und Erprobung eines Modells zur Planung und Darstellung von Pflegequalität und Pflegeleistungen. [Downloadbar von der Homepage des Deutschen Instituts für angewandte Pflegeforschung e.V.(dip), Köln: www.dip-home.de]
2) Pflegeplan: Schriftstück, das die Pflegekräfte in der Praxis für jeden Bewohner erarbeiten (müssen) und in dem die pflegerelevanten Probleme des Bewohners, seine Fähigkeiten, die Pflegeziele und die durchzuführenden Pflege-maßnahmen aufgeführt sind.

Literatur zum Thema

 pdf  LogoDie folgenden Dokumente liegen alle als *.pdf Dateien vor. Den Adobe Reader erhalten Sie für alle gängigen Betriebssysteme unter www.adobe.de .

Arbeitsfelder stationärer Pflege, Beitrag in Theorie und Praxis, 02/2001, Autor: Elmar Schmitz Dateigröße 545 KB

131 Minuten durchschnittlicher Pflegebedarf pro Tag, Beitrag Pro Alter, 03/2000   Dateigröße 596 KB

90 Prozent der stationär versorgten Pflegebedürftigen im Kreisgebiet, Beitrag Kieler Nachrichten, 04/2002, Autor Heike Stüben Dateigröße 160 KB

Arbeitsaufwand mit PLAISIR ermitteln, Beitrag Care Konkret, 04/2001 Dateigröße 48 KB

Beschlussempfehlung, Beitrag DBVA aktiv, 10/2001 Dateigröße 20 KB

Das Sozialamt muss bezahlen, Autor Frau Nicole Exner und Prof. Dr. Utz Krahmer, Häusliche Krankenpflege, 11/2000 Dateigröße 349 KB

Pflegekasse nicht deckungsgleich mit Pflegestufe, Autor Prof. Dr. Thomas Klie, Altenheim 12/2000 Dateigröße 318 KB

Ringen um die Personalbesetzung in Heimen, Autor Hans Nakielski, Pro Alter 03/2000  Dateigröße 575 KB

Pflegebedarf entscheidet, Autor Prof. Dr. Phil Vjenka und Joachim Kuck, Altenheim 05/2003 Dateigröße 374 KB 

Ein Grund zum Heulen, Autor Dieter Karotsch und Maria Pfleghar, Pro und Contra

Eine Chance um etwas Neues auf den Weg zu bringen, Autor Hans Nakielski, Pro Alter 03/2000 Dateigröße 1,4 MB

Einen niedrigen Pflegesatz nicht mit guter Pflege verwechseln, Text FFA intern 02/2000 Dateigröße 135 KB   

Ein ganz wesentlicher Fortschritt, pro Alter 03/2000 Dateigröße 262 KB

Einmalige Chance, Text Hr. Hans Nakielski, pro Alter 03/2000 Dateigröße 760 KB

Ermittlung der erforderlichen Pflegezeit mit PLAISIR, pro Alter 03/2000 Dateigröße 1,9 MB

 


 

 

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